Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren


http://myblog.de/feldpost

Gratis bloggen bei
myblog.de





Calbe/Saale, den 20. Juni 1938.

Meine liebe, herzensgute Leni!

Wie Sonnenstrahlen leuchten Deine Briefe in mein Leben. Ich weiß gar nicht, wie ich Dir dafür danken soll. Du weißt gar nicht, was Du mir mit Deinen lieben Schilderungen, noch besser gesagt „Plauderstunden“, schenkst.

Es müssen doch wieder einmal recht nette Stunden in Meldorf gewesen sein. Und wer sollte so einen innigen Menschen, wie Du mein liebster Schatz bist, nicht gern haben? Ganz herzlich habe ich mich über Deinen Eifer in der Handelsschule gefreut; noch größer aber war die Freude, als ich lesen durfte, daß ich Dir ein wenig in der Buchführung behilflich sein darf. Also schicke bitte recht bald Deine Aufgaben nach hier und ich werde mir größte Mühe geben und auf dem schriftlichen Wege diese erklären und lösen. Warum hattest Du mir das nicht aber schon in Hamburg gesagt? Hattest Du kein Vertrauen zu mir? Kann ich Dir meine liebe, gute Leni nicht irgendwie einen kleinen Dank erweisen für all die Liebe, die Du mir gibst?

Ich danke für die Grüße Deiner lieben Mutter und erlaube mir dieselben zu erwidern. Hoffentlich bist Du recht gesund und erquickt wieder in Hamburg eingetroffen.

Bei uns hier in der Batterie geht es augenblicklich ziemlich straff zu. Der Fußdienst und die Appelle sind sehr streng. Der Batteriedienst sehr lang. Mir persönlich können sie allerdings nichts anhaben, da ich nach dem Abteilungsgeschäftszimmer kommandiert bin und ganz selten einmal Batterie-Dienst mitmache. Mitte März war es glaube ich das letzte Mal. Aber meine Kameraden dauern mich manchmal. Der Nachturlaub ist für die ganze Batterie für eine Woche gesperrt worden und Sonntagsurlaub gibt es für drei Wochen nicht mehr. Vielleicht wird aber letzteres Urlaubsverbot inzwischen wieder aufgehoben und dann muß ich unbedingt meinen ehemaligen Chef in Dessau aufsuchen, denn es wird nun allerhöchste Zeit.

Für heute genug. In einer halben Stunde wird es Zapfenstreich blasen und muß noch meine Stiefel putzen und die nötigen Vorbereitungen zum Schlafengehen treffen.

Bleibe gesund mein liebster Schatz und sei herzlichst gegrüßt und geküßt von Deinem Dich ewig liebenden und treuen

Gottfried

20.6.16 12:00
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung