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Calbe/Saale, den 19. Juni 1938.

Meine liebe, herzensgute Leni!

Ich danke Dir von ganzem Herzen für die liebe Sonntagsfreude, die Du mir durch Deinen Brief und Deinen herzhaften Kuß (auch wenn bisher nur auf Papier) gesandt hast. Ist es doch ein Zeugnis dafür, daß Du auch an mich denkst. Meine Gedanken sind immer nur bei Dir. Der einzige Trost ist mir die Arbeit, an der es die letzte Zeit überhaupt nicht fehlte. Gestern Abend hatte ich bis 10 Uhr abends zu tun und heute Vormittag hatte ich ebenfalls Dienst. Nachmittags unternahm ich mit meinem Freund einen kleinen Spaziergang an der Saale. Die Sonne schien sehr warm. Wir waren im Hohndorfer Busch, ein Familienausflugslokal mit Tanzsaal. Mein Freund wollte mich wieder etwas in Stimmung bringen und ich sollte tanzen. Aber denkst Du ich hätte nur ein bißchen Lust dazu gehabt? Nein, nicht eine einzige Tour hätte ich fertiggebracht, denn meine Sinne waren immer nur bei Dir und werden ewig bei Dir bleiben. Bei den bekannten Musikstücken, die die Tanzkapelle ertönen ließ, sah ich mich im Geist mit Dir im Park-Kaffee und dem anderen kleinen netten, wenn auch etwas verwegenen kleinen Nachtkaffee. Du liebstes, allerliebstes Mädel, wie war es doch so himmlisch.

Nun wieder zum heutigen Nachmittag: Gegen 17 Uhr fing es an zu regnen. Da hielt ich es nicht mehr im Saal aus. Mein Freund amüsierte sich noch ein wenig mit dem Tanz. Ich brach aber auf und machte mich auf den Heimweg. Wundervoller erfrischender Duft kam mir durch den Regen entgegen, aber trotzdem hätte ich es tausend Mal schöner gefunden, wenn ich mit Dir, mein allerliebster Schatz, hätte Hand in Hand gehen können. So, nun bin ich zu Hause in der Kaserne, ohne Ruhe, da Du nicht bei mir bist. Aber wann werden wir uns wiedersehen?

Heute und gestern bist Du zur Taufe. War es nicht auf einer Insel in der Nordsee? Ich sehe Dich vor mir, wie Du mit Deinen allerliebsten Augen das kleine Patenkind beschaust, wie Du draußen am Strand das wuchtige und brausende Meer betrachtest und wie Dir der Sturmwind um die Ohren bläst. Hoffentlich kommst Du gesund und erquickt in Deiner zweiten Heimatstadt Hamburg an. So, nun hab ich Dir mal so wieder mein ganzes Herz ausgeschüttet. Nimm mir’s bitte nicht übel. Aber Du bist der einzige Mensch in der ganzen Welt, dem ich mein ganzes Vertrauen geschenkt habe. Bleibe gesund mein Herzenslieb, grüße bitte Dein liebes Mütterlein von mir und sei herzlich gegrüßt und innig geküßt von Deinem Dir ewig treuen

Gottfried

19.6.16 12:00
 


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