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Calbe/Saale, den 16. Juni 1938.

Meine liebe , herzensgute Leni!

Ganz glücklich war ich heute, als mir meine Kameraden schon von weitem zujubelten, daß ein Brief von Hamburg an mich angekommen ist. Meine Augen strahlten vor Freude und meine Stubenkameraden freuten sich, daß ich heute Mittag zum ersten Male wieder ein freundliches Gesicht zeigte. Noch vor dem Essen mußte Deine liebe Nachricht gelesen werden und es hat mir nachher noch einmal so gut geschmeckt. Von ganzem Herzen freue ich mich aber, daß auch Dir, mein liebes Mädel, diese Ferien besonders gut gefallen haben. Immer muß ich an Dich denken und in Gedanken sehe ich noch wie wir uns fanden und wie unsere Liebe immer größer wurde. Weißt Du noch wie wir glücklich waren, als wir am letzten Abend noch den Vollmond sahen? Nie werde ich die schönen Abendspaziergänge vergessen.

Heute Morgen hatte ich besonders viel zu tun. Da erklang auf einmal aus dem Lautsprecher das Lied: „Schenkt man sich Rosen…“. Da mußte ich trotzdem einen Moment innehalten und an Dich meine liebe Leni denken. Dieses Liedlein wird wohl immer in meinem Leben unsere ersten glücklichen Tage mir in Erinnerung bringen.

Nun zu Deinen lieben Fragen: Gesund war ich schon wieder am nächsten Tag und kerngesund wurde ich heute, nachdem ich Deinen lieben Brief erhielt. Mein Geburtstag dauert noch ein Weilchen, läßt sich aber gut merken (1.1.15). Ich danke Deiner lieben Mutter für die herzlichen Grüße.

Wie ist das Wetter bei Euch? Hoffentlich wieder recht schön. Bei uns hier ist es mittelmäßig. Viel Neues gibt es sonst hier nicht, bis auf die Neuigkeiten, die meine Kameraden von ihren Pfingstferien mitbrachten; diese werden Dich aber bestimmt nicht interessieren. Abends nach Feierabend habe ich fleißig meine Post erledigt und werden sich meine Verwandten und Bekannten bestimmt gefreut haben, daß sie auf einmal so prompt Nachricht erhalten, wozu ich mir sonst nie Zeit nahm. Meine Kameraden wundern sich auch, daß ich überhaupt nicht mehr ausgehe, obwohl ich sonst der Wildeste war und sie meinen, es müßte wohl eine ganz große Liebe sein. Aber ich lächle nur dazu verschmitzt und freue mich daß ich Dich Edelste unter den Menschen gefunden habe.

Für Dein liebes Bild habe ich noch nicht den richtigen Platz gefunden. Zum in den Schrank hängen ist es mir zu wertvoll und die Wand an meinem Bett ist noch etwas zu feucht.

Riesig freue ich mich schon heute auf unser Wiedersehen. Hoffentlich ist es bald möglich. Aber vorläufig müssen erst noch die anderen Kräfte vom Abteilungsgeschäftszimmer auf Urlaub. Wann hast Du denn Anfang Juli an einem Sonnabend-Abend und Sonntag Zeit?

Nun will ich heute aufhören, denn es ist bald Zapfenstreich und der Stubendienst muß noch das Zimmer ausfegen. Bleibe gesund, grüße Dein liebes Mütterlein und sei herzlich gegrüßt und in Gedanken ------ von Deinem Dich ewig liebenden

Gottfried
16.6.16 12:00
 


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