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Calbe/Saale, den 28.6.38.

Meine liebe, herzensgute Leni!

Endlich hat uns heute Vormittag ein erquickender Regen von der drückenden Hitze erlöst. Und die Blumen im Kasernenbereich sandten zum Dank einen nochmal so schönen Duft entgegen. Sicherlich war es bei Euch nicht ganz so warm. Gehst Du recht fleißig baden? Oder lassen es die Schulaufgaben nicht zu? Na, bald hast Du ja Sommerferien und wirst Dich wieder erholen können. Auch ich erhielt für die Mehrarbeit in der letzten Woche vom Adjutanten einen Tag Sonderurlaub zugesagt. Es ist zwar nicht viel, aber mit einem Sonnabend und Sonntag verbunden, ist man doch wieder einmal drei Tage aus der Kaserne. Ende Juli geht es voraussichtlich wieder auf Übungsplatz Groß Born in Pommern. Da freue ich mich riesig drauf, denn es ist eine fabelhafte Naturgegend.

Anbei sende ich Dir ein kleines Foto, was ich hier in Eile machen ließ, deshalb vielleicht auch nicht so schön geraten ist. Wie geht es Dir sonst? Bist Du gesund? Mir geht es auch wieder gesundheitlich gut. Es grüßt Dich liebes, sonniges Mädel von ganzem Herzen, Dein Dich ewig liebender

Gottfried

28.6.16 15:06


Calbe/Saale, den 20. Juni 1938.

Meine liebe, herzensgute Leni!

Wie Sonnenstrahlen leuchten Deine Briefe in mein Leben. Ich weiß gar nicht, wie ich Dir dafür danken soll. Du weißt gar nicht, was Du mir mit Deinen lieben Schilderungen, noch besser gesagt „Plauderstunden“, schenkst.

Es müssen doch wieder einmal recht nette Stunden in Meldorf gewesen sein. Und wer sollte so einen innigen Menschen, wie Du mein liebster Schatz bist, nicht gern haben? Ganz herzlich habe ich mich über Deinen Eifer in der Handelsschule gefreut; noch größer aber war die Freude, als ich lesen durfte, daß ich Dir ein wenig in der Buchführung behilflich sein darf. Also schicke bitte recht bald Deine Aufgaben nach hier und ich werde mir größte Mühe geben und auf dem schriftlichen Wege diese erklären und lösen. Warum hattest Du mir das nicht aber schon in Hamburg gesagt? Hattest Du kein Vertrauen zu mir? Kann ich Dir meine liebe, gute Leni nicht irgendwie einen kleinen Dank erweisen für all die Liebe, die Du mir gibst?

Ich danke für die Grüße Deiner lieben Mutter und erlaube mir dieselben zu erwidern. Hoffentlich bist Du recht gesund und erquickt wieder in Hamburg eingetroffen.

Bei uns hier in der Batterie geht es augenblicklich ziemlich straff zu. Der Fußdienst und die Appelle sind sehr streng. Der Batteriedienst sehr lang. Mir persönlich können sie allerdings nichts anhaben, da ich nach dem Abteilungsgeschäftszimmer kommandiert bin und ganz selten einmal Batterie-Dienst mitmache. Mitte März war es glaube ich das letzte Mal. Aber meine Kameraden dauern mich manchmal. Der Nachturlaub ist für die ganze Batterie für eine Woche gesperrt worden und Sonntagsurlaub gibt es für drei Wochen nicht mehr. Vielleicht wird aber letzteres Urlaubsverbot inzwischen wieder aufgehoben und dann muß ich unbedingt meinen ehemaligen Chef in Dessau aufsuchen, denn es wird nun allerhöchste Zeit.

Für heute genug. In einer halben Stunde wird es Zapfenstreich blasen und muß noch meine Stiefel putzen und die nötigen Vorbereitungen zum Schlafengehen treffen.

Bleibe gesund mein liebster Schatz und sei herzlichst gegrüßt und geküßt von Deinem Dich ewig liebenden und treuen

Gottfried

20.6.16 12:00


Calbe/Saale, den 19. Juni 1938.

Meine liebe, herzensgute Leni!

Ich danke Dir von ganzem Herzen für die liebe Sonntagsfreude, die Du mir durch Deinen Brief und Deinen herzhaften Kuß (auch wenn bisher nur auf Papier) gesandt hast. Ist es doch ein Zeugnis dafür, daß Du auch an mich denkst. Meine Gedanken sind immer nur bei Dir. Der einzige Trost ist mir die Arbeit, an der es die letzte Zeit überhaupt nicht fehlte. Gestern Abend hatte ich bis 10 Uhr abends zu tun und heute Vormittag hatte ich ebenfalls Dienst. Nachmittags unternahm ich mit meinem Freund einen kleinen Spaziergang an der Saale. Die Sonne schien sehr warm. Wir waren im Hohndorfer Busch, ein Familienausflugslokal mit Tanzsaal. Mein Freund wollte mich wieder etwas in Stimmung bringen und ich sollte tanzen. Aber denkst Du ich hätte nur ein bißchen Lust dazu gehabt? Nein, nicht eine einzige Tour hätte ich fertiggebracht, denn meine Sinne waren immer nur bei Dir und werden ewig bei Dir bleiben. Bei den bekannten Musikstücken, die die Tanzkapelle ertönen ließ, sah ich mich im Geist mit Dir im Park-Kaffee und dem anderen kleinen netten, wenn auch etwas verwegenen kleinen Nachtkaffee. Du liebstes, allerliebstes Mädel, wie war es doch so himmlisch.

Nun wieder zum heutigen Nachmittag: Gegen 17 Uhr fing es an zu regnen. Da hielt ich es nicht mehr im Saal aus. Mein Freund amüsierte sich noch ein wenig mit dem Tanz. Ich brach aber auf und machte mich auf den Heimweg. Wundervoller erfrischender Duft kam mir durch den Regen entgegen, aber trotzdem hätte ich es tausend Mal schöner gefunden, wenn ich mit Dir, mein allerliebster Schatz, hätte Hand in Hand gehen können. So, nun bin ich zu Hause in der Kaserne, ohne Ruhe, da Du nicht bei mir bist. Aber wann werden wir uns wiedersehen?

Heute und gestern bist Du zur Taufe. War es nicht auf einer Insel in der Nordsee? Ich sehe Dich vor mir, wie Du mit Deinen allerliebsten Augen das kleine Patenkind beschaust, wie Du draußen am Strand das wuchtige und brausende Meer betrachtest und wie Dir der Sturmwind um die Ohren bläst. Hoffentlich kommst Du gesund und erquickt in Deiner zweiten Heimatstadt Hamburg an. So, nun hab ich Dir mal so wieder mein ganzes Herz ausgeschüttet. Nimm mir’s bitte nicht übel. Aber Du bist der einzige Mensch in der ganzen Welt, dem ich mein ganzes Vertrauen geschenkt habe. Bleibe gesund mein Herzenslieb, grüße bitte Dein liebes Mütterlein von mir und sei herzlich gegrüßt und innig geküßt von Deinem Dir ewig treuen

Gottfried

19.6.16 12:00


Calbe/Saale, den 16. Juni 1938.

Meine liebe , herzensgute Leni!

Ganz glücklich war ich heute, als mir meine Kameraden schon von weitem zujubelten, daß ein Brief von Hamburg an mich angekommen ist. Meine Augen strahlten vor Freude und meine Stubenkameraden freuten sich, daß ich heute Mittag zum ersten Male wieder ein freundliches Gesicht zeigte. Noch vor dem Essen mußte Deine liebe Nachricht gelesen werden und es hat mir nachher noch einmal so gut geschmeckt. Von ganzem Herzen freue ich mich aber, daß auch Dir, mein liebes Mädel, diese Ferien besonders gut gefallen haben. Immer muß ich an Dich denken und in Gedanken sehe ich noch wie wir uns fanden und wie unsere Liebe immer größer wurde. Weißt Du noch wie wir glücklich waren, als wir am letzten Abend noch den Vollmond sahen? Nie werde ich die schönen Abendspaziergänge vergessen.

Heute Morgen hatte ich besonders viel zu tun. Da erklang auf einmal aus dem Lautsprecher das Lied: „Schenkt man sich Rosen…“. Da mußte ich trotzdem einen Moment innehalten und an Dich meine liebe Leni denken. Dieses Liedlein wird wohl immer in meinem Leben unsere ersten glücklichen Tage mir in Erinnerung bringen.

Nun zu Deinen lieben Fragen: Gesund war ich schon wieder am nächsten Tag und kerngesund wurde ich heute, nachdem ich Deinen lieben Brief erhielt. Mein Geburtstag dauert noch ein Weilchen, läßt sich aber gut merken (1.1.15). Ich danke Deiner lieben Mutter für die herzlichen Grüße.

Wie ist das Wetter bei Euch? Hoffentlich wieder recht schön. Bei uns hier ist es mittelmäßig. Viel Neues gibt es sonst hier nicht, bis auf die Neuigkeiten, die meine Kameraden von ihren Pfingstferien mitbrachten; diese werden Dich aber bestimmt nicht interessieren. Abends nach Feierabend habe ich fleißig meine Post erledigt und werden sich meine Verwandten und Bekannten bestimmt gefreut haben, daß sie auf einmal so prompt Nachricht erhalten, wozu ich mir sonst nie Zeit nahm. Meine Kameraden wundern sich auch, daß ich überhaupt nicht mehr ausgehe, obwohl ich sonst der Wildeste war und sie meinen, es müßte wohl eine ganz große Liebe sein. Aber ich lächle nur dazu verschmitzt und freue mich daß ich Dich Edelste unter den Menschen gefunden habe.

Für Dein liebes Bild habe ich noch nicht den richtigen Platz gefunden. Zum in den Schrank hängen ist es mir zu wertvoll und die Wand an meinem Bett ist noch etwas zu feucht.

Riesig freue ich mich schon heute auf unser Wiedersehen. Hoffentlich ist es bald möglich. Aber vorläufig müssen erst noch die anderen Kräfte vom Abteilungsgeschäftszimmer auf Urlaub. Wann hast Du denn Anfang Juli an einem Sonnabend-Abend und Sonntag Zeit?

Nun will ich heute aufhören, denn es ist bald Zapfenstreich und der Stubendienst muß noch das Zimmer ausfegen. Bleibe gesund, grüße Dein liebes Mütterlein und sei herzlich gegrüßt und in Gedanken ------ von Deinem Dich ewig liebenden

Gottfried
16.6.16 12:00


Calbe/Saale, den 13. Juni 1938.

Meine liebe, herzensgute Leni!

Soeben hier wieder angelangt, läßt es meinem Herzen keine Ruh, Dir für Deine Liebe und Güte zu danken. Es waren die schönsten Stunden meines Lebens, die ich mit Dir mein liebster Schatz verbringen durfte. Leider war aber alles für uns zu kurz, so daß ich noch gar nicht richtig fassen kann, daß ich den heutigen und auch die kommenden Tage ohne Dich liebes Herzensmädchen verbringen muß.

Hast Du die Nacht gut geschlafen? Sicherlich bist Du heute Morgen noch sehr müde gewesen. Bin heute Mittag 12.52 Uhr von Hamburg-Hauptbahnhof weggefahren. Ludwigslust und Dessau habe ich nicht mehr aufgesucht, da die Zeit nicht ausgereicht hätte und ich auch keine Gedanken dafür hatte. Hast Du Dich gestern Abend erkältet?

Ich habe so eine Angst um Dich, mein lieber Schatz! Obwohl meine Kameraden mich auf das herzlichste hier wieder begrüßten, kann ich mich noch gar nicht einleben, aber es muß ja auch wieder werden. Nun für heute genug meine liebe Leni, bleibe gesund und sei von ganzem Herzen geküßt und gegrüßt von Deinem Dich ewig liebenden

Gottfried

Grüße bitte Deine Mutter. Bitte schreib mir auch einmal!

13.6.16 12:00





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